Groß, größer, mörderisch?

Beschreibung

Ahnungslose Schwimmer und neugierige Taucher soll sie packen und festhalten, bis sie ertrunken sind: die große Riesenmuschel (Tridacna gigas), die man auch Mördermuschel nennt. Zwar ist die Mördermuschel die größte bekannte Muschelart (sie kann bis zu 1,40 Meter lang und über 200 Kilogramm schwer werden), ihren Ruf als Killerin hat sie jedoch völlig unverdient. Obwohl die Mördermuschel kräftig genug ist, um einen Menschen festzuhalten, schließen sich ihre gigantischen Schalenhälften dermaßen langsam, dass man es schon darauf anlegen und abwarten müsste, um von ihr festgehalten zu werden. Die Mördermuschel ist also harmlos.

Den Mythos von der mörderischen Muschel, die ihre Opfer in der Tiefe hält, hat man trotzdem erstaunlich lange aufrechterhalten: Noch während des Zweiten Weltkriegs bekamen Taucher der US-amerikanischen Navy ein Handbuch, das U.S. Navy Diving Manual, in dem sich ein längeres Kapitel eigens der Mördermuschel widmet. Darin war auch eine detaillierte Anleitung zu finden, die beschrieb, wie man sich aus dem tödlichen Griff der Muschel befreien kann: Man sollte mit einem Messer ihren Schließmuskel durchtrennen, der beide Schalenhälften zusammenzieht.

 

Riesenmuschel (Tridacna gigas) mit Taucher

 

Auch wenn sie keine Menschen ertränkt – Leistenbrüche, Rückenverletzungen und zertrümmerte Zehen gehen trotzdem auf das Konto der Mördermuschel. Schuld ist sie allerdings nur indirekt, denn diese Verletzungen entstehen nur, wenn Taucher die Mördermuschel aus dem Wasser heben, weil sie das enorme Gewicht der Muschel unterschätzen, das sie an der Luft hat.

Ihre Kilos futtern sich Mördermuscheln durch Zucker und Proteine an, die Milliarden von Algen mithilfe von Sonnenlicht produzieren. Im Gegenzug bietet die Mördermuschel den Algen ein sicheres Zuhause: Sie dürfen auf dem fleischigen Inneren der Muschel leben, dem sogenannten Mantelgewebe. Tagsüber öffnet die Muschel ihre Schalen, damit sich die Algen fleißig sonnen und Nährstoffe für sie produzieren können. Die Mördermuschel lässt aber nicht nur die Algen für sich arbeiten, sondern bedient sich durchaus auch selbst: Allerdings nicht an Menschen, sondern an Plankton, das sie mithilfe von einer Art Kiemen aus dem Meerwasser filtert.

Quellen

 

Klumpp, D. W., Bayne, B. L., & Hawkins, A. J. S. (1992). Nutrition of the giant clam Tridacna gigas (L.) I. Contribution of filter feeding and photosynthates to respiration and growth. Journal of Experimental Marine Biology and Ecology, 155(1), 105-122.

Streamer, M., Griffiths, D. J., & Thinh, L. V. (1988). The Products of Photosynthesis by Zooxanthellae (Symbiodinium microad, riaticum) of Tridacna gigas and Their Transfer to the Host. Symbiosis, 6, 237-252.

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