Goethe, ratlos

Beschreibung

Der Tropfchalcedon stellte auch einen der größten Universalgelehrten aller Zeiten vor unüberwindbare Rätsel. Johann Wolfgang von Goethe war nicht nur der Literatur zugetan, sondern forschte als „naturbeobachtender Gelehrter“ in vielen Fachgebieten: Anatomie, Farbenlehre, Morphologie, Optik, Botanik, Zoologie und Meteorologie.

Als Geheimrat im Staatsdienst war er seit 1776 Mitglied und bald darauf Leiter der Bergbaukommission des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach. Aufgrund dieser Position ist es wenig verwunderlich, dass er sich auch sehr für Geologie und Mineralogie interessierte. Unter anderem beteiligte er sich an der Diskussion über den Ursprung der Gesteine, die die damalige Wissenschaft in zwei Lager – die Plutonisten und die Neptunisten – teilte.

Im Oktober 1815 reiste Goethe nach Karlsruhe und traf dort bekannte Wissenschaftler und Künstler. Gemeinsam wurden sie von Karl Christian Gmelin, dem ersten Direktor des späteren Naturkundemuseums Karlsruhe, durch das hauptsächlich von der Markgräfin Karoline Luise von Baden (1723–1783) zusammengetragene Naturalienkabinett geführt. Es bildet übrigens die Grundlage des heutigen Museums.

In einem Brief an seinen Landesfürsten Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach schrieb Goethe wenige Tage später prägnant: „Die Fossilien sind bewundernswürdig. Jene Chalcedon Druse im Basalt höchst merckwürdig“ [sic!] Aus seinen Tagebuchaufzeichnungen geht hervor, dass er sich noch einige Wochen lang Gedanken über den möglichen Ursprung der Druse machte, letztlich aber in seinen Grübeleien zu keiner ihn selbst zufriedenstellenden Lösung gelangte.

Quellen

Geiger, L. (Hrsg.) (1900). Goethe-Jahrbuch mit dem fünfzehnten Jahresbericht der Goethe-Gesellschaft (Band 21, 91-92). Frankfurt am Main, Deutschland: Rotten & Loening.

Hauß, H. (2012): 175. Todestag: Hofrat Karl Christian Gmelin (18. März 1762 – 26. Juni 1837). Badische Heimat – Mein Heimatland. Zeitschrift für Landes- und Volkskunde, Natur-, Umwelt- und Denkmalschutz, 92(3), 604-606.

Mayer, G. (1970): Tropfchalcedon in Melaphyr, eine vielbewunderte Schaustufe des alten Karlsruher Naturalienkabinetts. Der Aufschluss, 21, 374-376.

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